ImmoScout24: Talk mit Direktor Martin Waeber

betterhomesagGepostet von

ImmoScout24 ist seit 1998 am Markt und heute der meistbesuchte Schweizer Online-Marktplatz für Wohn- und Gewerbeliegenschaften in der Schweiz. Allein im Monat Mai wurden 6 Millionen Visits verzeichnet und 81’000 Inserate gezählt. ImmoScout24 gehört zur Muttergesellschaft Scout24, dem führenden Netzwerk von Online-Marktplätzen für Fahrzeuge, Immobilien und Kleinanzeigen.

Wir befinden uns hier im Gespräch mit Martin Waeber, Direktor von ImmoScout24, über Digitalisierung und darüber, ob es den Beruf des Immobilienmaklers in diesem Zeitalter überhaupt noch braucht.

Lanz: Martin, wer bist du und wer ist ImmoScout24?

Waeber: Ich bin seit vier Jahren Direktor bei ImmoScout24 in der Schweiz. In den letzten 20 Jahren habe ich mich über verschiedene Stationen hinweg mit dem Thema Digitalisierung, mit neuen Geschäftsmodellen und Transformationen von Geschäftsmodellen im Onlinebusiness beschäftigt und demzufolge fühle ich mich auch sehr wohl hier in der Immobilienbranche, wo die Digitalisierung in vollem Gang ist.

Lanz: ImmoScout24 ist extrem gewachsen in den letzten Jahren, vor allem unter deiner Regie. Was ist euer Erfolgsgeheimnis? Was habt ihr anders gemacht in den letzten Jahren?

Waeber: Es gibt vor allem drei Punkte, die hier zu erwähnen sind: Erstens pflegen wir eine sehr starke Kundennähe. Zweitens fokussieren wir uns konsequent auf unsere User auf der Plattform. Drittens haben wir das beste Preis-Leistungsverhältnis auf dem Markt.

Lanz: Jetzt aus Sicht des Interessenten: Ich habe eine Vielzahl von verschiedenen Portalen; wieso sollte ich ausgerechnet auf ImmoScout24 gehen?

Waeber: Weil wir die bekannteste Marke sind, wir sind top geratet gegenüber unseren Mitbewerbern. Des Weiteren ist es so, dass wir mit «Real Data» den Userflow ständig analysieren und optimieren, damit der Suchende sich auch wohlfühlt.

Lanz: Aber ihr könnt ja nicht einfach irgendwelche Duftkerzen anzünden virtuell, oder? Also wie soll ich mich jetzt wohlfühlen als Interessent?

Waeber: Mithilfe einer intelligenten Suche, die möglichst das beste Matching herausfindet; dort stehen wir jedoch noch am Anfang. Wir wollen herausfinden, nach welchen Parametern der User sucht und ihm basierend darauf noch ein relevanteres Suchergebnis präsentieren. Anstelle davon, dass er dann eine Ergebnisliste von 200 Objekten bekommt, suchen wir für ihn mithilfe von künstlicher Intelligenz und Machine Learning die zehn besten Objekte für ihn heraus.

Lanz: Also habe ich das richtig verstanden: ImmoScout24 hat das Ziel, dass der Computer besser als ich selber weiss, was ich eigentlich suche.

Waeber: Ja. In meiner Vision weiss ich vor dem Suchenden, was er sucht.

Lanz: Wachsen wollt ihr entlang der Wertschöpfungskette, ihr habt auch Zukäufe gemacht als Scout-Gruppe, IAZI die Bewertungsfirma zum Beispiel. Kannst du uns da mehr drüber erzählen?

Waeber: Wenn man weltweit die Entwicklungen anschaut, muss man sagen, dass unser Geschäftsmodell, das Online-Inserat, bereits ein altes Geschäftsmodell ist. Das heisst jetzt nicht, dass es morgen tot ist; aber unsere Philosophie muss sein, dass wir antizipieren. Irgendeinmal wird niemand mehr bezahlen für ein Online-Inserat. Mein Anspruch an Immoscout24 ist es deshalb, auch wirklich entlang der Wertschöpfungskette breiter zu wachsen. Das Bedürfnis nach digitalen Leistungen, die das Leben vereinfachen, wenn Menschen eine Wohnung oder ein Objekt mieten oder kaufen wollen, ist da. Und dort haben wir das Potenzial, viel mehr Dienstleistungen zu erbringen. Aber auch – ganz wichtig – gegenüber der Branche können wir diesen Digitalisierungsprozess, den viele kleine und mittlere Unternehmen, die selber diese Investments nicht tätigen können, unterstützen, und zwar mit guten digitalen Tools. Wir können unser Revenue Model in Zukunft so verändern, dass unser Inserat am Ende nichts mehr kostet, sondern dass die Dienstleistungen entlang des Prozesses kosten.

Lanz: Siehst du überhaupt noch Überlebenschancen für den Beruf des Immobilienmaklers?

Waeber: Ja sicher. Das wichtigste Gut heute ist Zeit. Und das ist genau der Punkt, wo der Makler auch in Zukunft eine Rolle spielt: Denn selbst wenn man den ganzen Prozess digital abwickeln kann, gibt es immer noch viele Leute, die sagen, sie wollen sich gar nicht mit dem auseinandersetzen und so für sie wertvolle Zeit sparen.

Lanz: Also Thema Opportunitätskosten und Know-how. Man spricht immer von Digitalisierung, vergisst aber manchmal, dass man nicht alles digitalisieren kann. Ein Mensch wird wahrscheinlich einer künstlichen Intelligenz nicht unbedingt blind vertrauen, sondern eher zwischenmenschlichen Beziehungen. Siehst du das auch so? Dass man nicht alles digitalisieren kann und dass vielleicht genau deswegen der Beruf Immobilienmakler wichtig ist, weil der Faktor «Mensch» immer noch sehr elementar ist in der Geschäftsbeziehung?

Waeber: Definitiv! Ich denke, gerade in einer Immobilientransaktion ist dieses Zwischenmenschliche immer noch wichtig. Dieses «Trust»-Element, bei dem man in einer «Once-in-a-lifetime»-Transaktion noch jemandem die Hand geben möchte und jemandem in die Augen schauen will. Ich glaube, man sieht diesen Trend auch generell schon heute: Je digitaler die Gesellschaft und die Menschheit unterwegs ist, desto wichtiger ist der zwischenmenschliche Kontakt. Wenn ich sehe, wie Events gewachsen sind in den letzten paar Jahren – und jetzt auch als aktuelles Beispiel die WM – das hat es früher nicht gegeben, mit diesen Public Viewings. Die Leute haben das Bedürfnis, zusammen ein Spiel zu schauen und zusammen etwas zu erleben.

Lanz: Absolut, das war ein super Stichwort mit diesen Public Viewings. Sehr spannend! Als BETTERHOMES sind wir ja schon seit 12, bald 13 Jahren in dieser Kombination IT – also Digitalisierung – und mit dem menschlichen Faktor – Vertrieb – unterwegs. Wie hast du die Entwicklung von uns, von BETTERHOMES, miterlebt in den letzten Jahren?

Waeber: Sehr positiv! Wir beide haben uns auf Kompetenzen fokussiert; BETTERHOMES auf die Kompetenz eures Geschäfts, wir auf die Kompetenz unseres Geschäfts. Nach vier Jahren haben beide in ihrem Bereich ihre Position wirklich massiv ausgebaut und sind als Leader im Markt tätig, und das ist eine schöne Entwicklung.

Lanz: Absolut, vielen Dank, ein tolles Schlusswort! Danke fürs Gespräch.

Sehen Sie sich das ganze Gespräch auf unserem Youtube-Kanal an!

Wünschen Sie mehr Artikel zum Thema Digitalisierung? Dann sehen Sie sich den Talk mit Peter Stutz von Structogram® an!

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