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Airbnb – Wohnsharing is caring?

betterhomesagGepostet von

Teilen ist schön – da sind sich wohl die meisten einig. Doch wie steht es mit dem Teilen von Wohnraum? Was bedeutet das überhaupt? Und welche Konsequenzen kann die derzeit populärste und bekannteste Form des temporären Wohnsharings, nämlich Airbnb, nach sich ziehen?

«Sharing Economy» ist schon lange kein Fremdwort mehr. Wir teilen alles: Wohnungen, Autos, sogar alltägliche Gegenstände wie Haushaltsgeräte. Sharing is caring – dieses Credo scheint sich immer mehr und mehr in unserer Gesellschaft zu etablieren.

Durch die Digitalisierung wurde das Teilen von Wohnraum natürlich zusätzlich begünstigt: Anbietende und Nachfragende haben sich auf verschiedenen Online-Plattformen gefunden: Mit wenigen Klicks werden nicht nur Inhalte, Videos und Posts, sondern auch Wohnraum geteilt.

Doch Moment, was für Formen von Wohnsharing gibt es denn eigentlich?

Laut der Studie des Bundesamtes für Wohnungswesen BWO (2018) unterscheidet man mehrere Typen des Wohnsharings, zwei davon sind:

1. Fallweise Wohnraumvermietung (temporäre Vermietung):

Temporäres_WohnenPia und Lars fahren oft übers Wochenende nach Arosa. An den Tagen, an denen sie nicht in ihrer Wohnung in BETTERHOMES Town sind, vermieten sie diese an Backpacker. Über die Plattform Airbnb ist das schnell erledigt: Ein Inserat auf der Plattform schalten, detaillierte Wohnungsbeschreibung hinzufügen, aussagekräftige Bilder hochladen und angeben, wann ihr Appartement zur Verfügung steht – fertig.

 

2. Regelmässige (wechselnde) Wohnvermietung:
Wohnungen, die ausschliesslich temporär vermietet werden.

wechselnde_vermietung

Urs wohnt in einem kleinen Haus im Zentrum von BETTERHOMES Town. Kürzlich hat er das Nachbarhaus aufgekauft und in drei Ferienwohnungen umgebaut. Diese vermietet er jetzt regelmässig über Airbnb an Touristen, die sich das Stadtzentrum anschauen wollen. In der Nebensaison stehen die Wohnungen dann auch mal leer.

 

Airbnb: Der Überflieger

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© Datenquelle: Statista 2018

Airbnb ist wohl das bekannteste Beispiel von Wohnsharing. Seine Entwicklung ist rasant, auch in der Schweiz: Verzeichnete Airbnb im Oktober 2014 knapp über 5’000 Airbnb Objekte, so vervierfachte sich deren Zahl bloss anderthalb Jahre später auf knapp 20’000 Objekte. Mittlerweile zählt der Bestand 32’761 Objekte mit 92’315 Betten (Ende Januar 2018) und ist damit mehr als doppelt so gross wie derjenige von Mitbewerbern wie E-domizil, Casamundo oder Booking.com. (Walliser Tourismus Observatorium)

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© Datenquelle: Walliser Tourismus Observatorium
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© Datenquellen: Walliser Tourismus Observatorium

Und wo ist der Haken?

Das temporäre Wohnen  mit Airbnb klingt in vielerlei Hinsicht verlockend: Die zu mietbaren Zimmer sind oftmals günstiger als in Hotels; man wohnt bei Einheimischen in authentischen Gebieten und gewinnt so exklusive Einblicke in eine Stadt. Durch das Wohnen bei jemandem zu Hause geniesst man oft heimisches und gemütliches Flair, und das alles unkompliziert und schnell mithilfe einiger Mausklicks.

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© Datenquelle: airbnb citizen

Hier ist der Haken:

In vielen gern von Touristen besuchten Städten im Ausland wird der Einsatz der Airbnb-Plattform zum Problem: Privatpersonen vermieten ihre Wohnungen zu einem Vielfachen des eigentlichen Mietzinses an Touristen und betreiben so ein lukratives Geschäft. Das Ergebnis: Ortsansässige finden kaum mehr freie Wohnungen und Mietpreise schiessen rasant in die Höhe. Ein Beispiel: In Palma de Mallorca ist die Wohnplattform sogar bereits verboten, da die Mietpreise wegen des Airbnb-Booms in den letzten fünf Jahren um 50% gestiegen sind (Aargauer Zeitung, August 2018).

Und in der Schweiz?

In der Schweiz wird eine Entwicklung, wie sie andere Grossstädte Europas bereits durchgemacht haben, ebenfalls befürchtet: Mietzinsanstiege und Wohnungsknappheit sind nur einige Stichworte, die im Zusammenhang mit Airbnb auch hierzulande genannt werden. Aktuell werden in der Schweiz 30’000 Wohnungen mit über 80’000 Betten angeboten, die meisten davon im Wallis und in Zürich.

Bleiben wir gleich bei der Stadt Zürich: 220’000 Wohnungen gibt es in der Limmatstadt, knapp 1’500 davon werden auf Airbnb vermietet. Dies macht eigentlich nur 0.67 Prozent der Gesamtzahl aus – doch dieses Bild ist trügerisch. Oft befinden sich diese Wohnungen nämlich in der Innenstadt: Im Zürcher Hochschulquartier zum Beispiel machen Airbnb Wohnungen knapp 7 Prozent der Gesamtwohnungszahl aus (NZZ, August 2018), was eine enorme Quote bedeutet. Viele Schweizer Städte treffen diesbezüglich bereits Vorkehrungen, allen voran die Stadt Bern: In der Altstadt ist es verboten, Zimmer auf professionellem Niveau zu vermieten.

Eine Massnahme, um die Ungerechtigkeit zwischen klassischem Tourismus wie der Hotellerie und Airbnb etwas auszugleichen, ist die Einführung von Kurtaxen für Airbnb. Gemäss HTR Tourismus zieht Airbnb seit dem 1. August 2018 für alle Buchungen im Kanton Zürich automatisch die City Tax ab und leitet diese direkt an Zürich Tourismus weiter. Solche Partnerschaften bestehen auch bereits mit Baselland Tourismus und Zug Tourismus. Mit anderen Kantonen ist Airbnb noch im Gespräch.

Wohnsharing ist also Caring?

Die Vorteile und Freiheiten, die Airbnb für Reisefreudige bietet, sind ganz klar gross und nicht von der Hand zu weisen. Doch sollte man neben dem „Sharen“ auch das „Caren“ – also die daraus resultierenden Folgen für andere – nicht vergessen.

Gespannt auf eine andere Form von „Sharing“? Lesen Sie unseren Beitrag zu Crowdfunding!

 

© Bilder: BETTERHOMES AG; alle Rechte vorbehalten

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