Talk mit „Proptech-Guru“ Heinz M. Schwyter

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Wir befinden uns im Gespräch mit Herrn Heinz M. Schwyter, dem Schweizer „Proptech-Guru“, über Proptech-Start-ups, die Digitalisierung und deren Einfluss auf die Immobilienwirtschaft – jetzt und in Zukunft.

Lanz:  Wer genau sind Sie und was machen Sie als «Proptech-Guru»? 

Schwyter: Ich wurde im letzten Jahr 60 Jahre alt, wohne im Tösstal und habe eine wunderbare Tochter. Ich bin im Gemeinderat und engagiere mich bei Kidz Planet, unserer Schule in Indien, wo wir heute 160 Kinder unterrichten. Bis 2015 war ich CEO von Homegate und durfte da die rasante Entwicklung von BETTERHOMES mitverfolgen. Nach einer Auszeit, in der ich aufgrund einer geschäftlichen Beziehung Spanisch lernte, gründete ich meine eigene Beratungsfirma Schwyter Digital GmbH. Damit begleite ich Immobilienfirmen auf dem Weg in die digitale Zukunft. Zudem leite ich die führende Gesundheitsorganisation bei uns in der Region und bin bei Start-ups im Proptech-Bereich als Berater und Investor engagiert. Zudem bin ich Blogger, schreibe die Proptech-News und produziere die Proptech-Map – die einzige umfassende Übersicht über Proptechs der Schweiz.

Lanz:  Was ist Proptech überhaupt?

Schwyter: Grundsätzlich erleben wir heute bei jeder Branche eine «Tech»; die berühmteste ist Fintech in der Finanzindustrie. Proptech ist die Kombination von «Property» und «Technology». Es geht um technologische Lösungen für die Immobilienwirtschaft. Proptechs können sowohl seit Jahren bestehende Firmen als auch Start-ups sein.

Lanz:  Worum geht es bei Proptech? Geht es darum, Prozesse zu optimieren oder darum, neue Geschäftsmodelle zu kreieren? Wo geht der Trend hin?

Schwyter: Im Moment sehen wir klar, dass sich die Proptechs auf die Prozessoptimierung konzentrieren. Gerade in der Immobilienwirtschaft gibt es sehr viele manuelle und repetitive Tätigkeiten, die über entscheidende Lösungen verbessert werden könnten. Im Bereich der Vermietung geht es also um Prozessoptimierung; im Verkauf um die bessere Darstellung und das Nutzen von neuen Technologien.

Lanz:  Sie haben die Proptech Map Schweiz mitgebracht.

© Schwyter Digital GmbH

Schwyter: Genau. Einerseits sieht man, dass es in der Schweiz über 40 Immobilienportale gibt. Aber die eigentlich grossen Entwicklungen laufen im Bereich Vermittlungen ab, dort steht die Prozessoptimierung im Vordergrund. Im Bereich Augmented und Virtual Reality arbeitet man an Visualisierungen und virtuellen Touren; dort werden wir einen ganz grossen Entwicklungsschub erleben.

Lanz:  Was haben wir noch auf der Karte, was zukunftsfähig ist?

Schwyter:  Smart Building, Internet of things, da werden wir in Zukunft noch grosse Entwicklungen sehen. Auf der Karte noch sehr spärlich vertreten ist die ganze Blockchain-Thematik. Das Start-up elea z.B. will die Immobilien-DNA auf Blockchain-Basis bauen.

Lanz: Was heisst das? Handänderungen vom Grundbuch?

Schwyter: So wie Sie Ihre persönliche DNA haben, hat jedes Gebäude auch die ihrige. Man spricht auch vom digitalen Zwilling, aber blockchainbasiert.

Lanz: Was ist die grösste Herausforderung als Start-up in diesem Proptech-Bereich?

Schwyter: Egal, ob Proptech oder eine andere «Tech», es ist immer das Gleiche: Man hat eine super Idee, man findet Freunde und Gleichgesinnte, mit denen man sie umsetzt. Finanziert wird es durch Friends & Family.

Lanz: Die Banken geben auch Geld?

Schwyter: Die Banken eher nicht, nein. Später kommt man in die Phase, in der das Geld aufgebraucht ist und man Investoren braucht. Die Investoren haben aber natürlich auch ganz klar ihre eigenen Vorstellungen.

Lanz: Was ist mit Business Angels und Venture Capital? Ist das auch ein Bereich, in dem Sie sich künftig engagieren werden?

Schwyter: Nein, ich investiere nur ganz kleine Beträge in Unternehmungen, die mir sympathisch sind und mich vom Team her überzeugen. Denn das ist die Hauptsache: Kann dieses Team ihre Idee überhaupt zum Fliegen bringen?

Lanz: Wird es die Immobilienwirtschaft, wie wir sie heute kennen, überhaupt noch geben? Und wenn nein, wie wird sie sich Ihrer Meinung nach verändern?

Schwyter: Im Bereich Miete werden sich viele fragen, ob es den klassischen Immobilienbewirtschafter morgen noch geben wird oder ob er von all diesen repetitiven Aufgaben befreit sein wird und sich mehr um sein Objekt und um den Auftraggeber kümmern wird. Im Bereich Verkauf gibt es verschiedene Initiativen rund um Onlinemakler. Ich glaube jedoch nicht, dass sich das durchsetzt. 

Lanz: Spüren Sie eine Aufbruchstimmung?

Schwyter: Je mehr man den Leuten sagt, wie altmodisch sie arbeiten und wie rückwärtsorientiert sie sind, desto weniger motiviert sind sie, etwas wirklich Neues zu machen. Ich stelle eine gewisse Ernüchterung fest; die Leute sind irgendwie gesättigt und können das Thema Digitalisierung nicht mehr hören. Es vergeht kein Tag, ohne dass irgendjemand sagt, wie sich unsere Welt verändert. Da frage ich mich auch: Wo bleibt der Mensch bei all dieser Technologie? Das werden wir dann wohl sehen.

 

Das vollständige Interview finden Sie auf unserem Youtube-Kanal.

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