Blockchain in der Immobilienwelt

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Die fortschreitende Digitalisierung macht auch vor der Immobilienbranche nicht Halt: Produkte, Dienstleistungen und Prozesse werden verändert, neue Technologien entwickelt und damit konventionelle Denkmuster aufgebrochen. Gerade Blockchain ist derzeit in aller Munde – eine dezentrale Datenbank, die eine stetig wachsende Liste von Transaktionsdatensätzen enthält.

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Florian aus BETTERHOMES Town hat die Entwicklung von Blockchain seit dem Boomjahr 2017 beobachtet. Die Möglichkeiten und Chancen, die diese Technologie in Bezug auf die Immobilienbranche bietet, sind mehr als vielversprechend – wenn nicht sogar revolutionär.

«Letztes Jahr gab es eine Auswertung der meistbenutzten Wörter am WEF. Das eine war ‘Trump’, das andere war ‘Blockchain’.» – Ralf Glabischnig, Managing Partner inacta AG

Sprach man bisher von dem Internet of Information und Internet of Things, wird dies nun um das Internet of Value ergänzt. Bislang erforderte der Verkauf, Kauf oder Austausch diverser Vermögenswerte einen Vermittler wie eine Bank, einen Marktplatz (physisch oder digital), ein Kreditkartenunternehmen oder einen Drittanbieter. Dies wird sich in Zukunft ändern: Die Blockchain-Technologie garantiert eine direkte Übertragung von digitalen Produkten und Besitzverhältnissen von einer Partei zur anderen, und zwar unmissverständlich zugeordnet, unmittelbar und ohne Zwischenhändler. Vorteile gibt es dabei viele: Die Übertragung ist validiert, dauerhaft und abgeschlossen.

Einblicke in das «Crypto Valley»

Die Schweiz und Liechtenstein haben in Bezug auf Blockchain eine Vorreiterrolle inne. Das Zuger Crypto-Valley, zu dem sich mittlerweile 750 Firmen mit rund 3’300 Mitarbeitenden zählen, ist schon längst zum bedeutenden Wirtschaftsfaktor geworden. Sowohl Bundesräte als auch Universitäten interessieren sich für den wirtschaftlichen Einfluss der Innovationen und Technologien, die vernetzte Start-ups und etablierte Firmen gleichermassen entwickeln. Allein die Top 50 Unternehmen haben zusammen eine Marktbewertung von rund 20 Milliarden Dollar.

Im Januar 2019 wurden die Top 50 grössten und bedeutendsten Unternehmen im Crypto Valley in einer Studie von PwC und inacta veröffentlicht. Um sich zum Crypto Valley zählen zu können, müssen Unternehmen unter anderem folgende Kriterien erfüllen:

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Blockchain und Immobilien

Besonderes Potenzial von Blockchain sieht Ralf Glabischnig auf dem Immobilienmarkt. Die Entwicklung, die in diesem Bereich im Laufe der letzten 20 Jahre stattfand, ist immens. Nun wird sie fortgesetzt, und zwar in verschiedenen Schritten:

Verbesserung und Automatisierung der Prozesse

In einem ersten Schritt wird die Blockchain-Technologie verschiedene Prozesse automatisieren und verbessern. Gerade in Bezug auf das Mietgeschäft würde dies zum Beispiel Folgendes bedeuten: Der Mietvertrag muss laut Schweizer Gesetz nicht handschriftlich erfolgen und könnte daher problemlos in einem Smart Contract integriert werden. Bei Mieterwechseln böte die Blockchain-Technologie viele Vorteile, da alle Informationen transparent abgebildet sind. Auch das Mietzinsdepot und nicht zuletzt die Mietzinszahlungen könnte man über die Blockchain abwickeln, was wiederum die Prozesse massiv beschleunigen und Klarheit schaffen würde. Diese Entwicklungen würden sowohl für Mietende als auch Vermietende geringeren Aufwand und vor allem mehr Transparenz und Sicherheit bedeuten.

Tokenisierung von Immobilien

Spannend und abstrakt zugleich wird es dann im nächsten Schritt: Die Immobilien werden tokenisiert – also runtergebrochen auf Einheiten. Was heisst das konkret? Eine Immobilie würde beispielsweise in dm3-Blöcke aufgeteilt. Jeder dm3-Block entspräche einem Token; und die Inhaber/innen eines solchen Tokens könnten ihn über Smart Contracts so ausgestalten, wie es ihnen beliebt. Sie könnten sie Tokens handelbar machen oder einem Käufer resp. einer Käuferin eine Dividende darauf geben und dann über die Blockchain automatisiert die Dividendenzahlung auslösen. Eine weitere Möglichkeit wäre es, die Tokens in Immobilienprojekte investieren. Die Tokenisierung von Immobilien fände auch beim Stockwerkeigentum Anwendung: Einzelne Eigentumsanteile würden auf der Blockchain abgebildet werden. 

Finanzierung

Der dritte und vielleicht spannendste Schritt betrifft die Finanzierung. Bis anhin müssen relativ grosse Beträge starr investiert werden, da der Immobilienmarkt illiquide ist. Um dem entgegenzuwirken, machte in den letzten Jahren bereits das Crowdfunding von sich reden – dies könnte als eine Art Vorstufe von künftigen Entwicklungen zu sehen sein, so Glabischnig. Doch mit einem grossen Unterschied: Crowdfunding beruht auf Vertrauen – Investor/innen müssen darauf vertrauen, dass ein Objekt vorhanden ist und auch tatsächlich dort investiert wird. Mit der hohen Transparenz, welche die Blockchain-Technologie mit sich bringt, würde dieser Faktor entfallen. Immobilieninvestitionen würden einfacher, transparenter und leichter zugänglich werden. Sie könnten auch bereits mit sehr kleinen Beträgen getätigt werden, und aufgrund der automatischen Abwicklungen wäre die Rendite immer noch gewährleistet.

Blockchain – eine Wundertechnologie?

Blockchain ist eine Technologie solcher Durchschlagskraft, dass man auch von «der 4. Industriellen Revolution» spricht. Und wie bei jeder bevorstehenden Revolution werden Stimmen laut, die dafür und dagegen sprechen. Loben die einen die Transparenz, die Vereinfachung und Schnelligkeit der «neuen» Technologie, sorgen sich andere um Sicherheit, Arbeitsplätze und um ihre Daseinsberechtigung in der Wertschöpfungskette. Gerade im Immobiliensektor, wo viele Berufsbilder eine Vermittler-Funktion innehaben, horcht man auf. Neben den enormen Chancen, welche die Blockchain-Technologie mit sich bringt, stellt sich folgende Frage: Wenn nun durch Blockchain Käufer/innen und Verkäufer/innen direkt und ohne Drittperson zusammenarbeiten können – braucht es da die Makler/innen noch? Unsere Antwort ist ganz klar: ja. Denn Kaufen und Verkaufen ist immer mit Emotionen verbunden, und auch wenn die Prozesse vereinfacht und viele davon automatisiert werden – die Erfahrung, das Know-how und die Empathie von Menschen lassen sich weder tokenisieren noch wegdigitalisieren.

Sie wollen wissen, was Ralf Glabischnig, Managing Partner bei inacta und Cyrill Lanz, CEO von BETTERHOMES, im Interview über Blockchain in der Immobilienwelt diskutieren? Oder was Bora Obucino, CEO von core-chain und Levent Künzi, COO von BETTERHOMES, zu der Revolution in der Immobilienbranche zu sagen haben? Dann sehen Sie sich die Videos auf unserem Youtube-Channel an!

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